M O M E N T Z  A U D I O


 


GIESSEN - Wer im Internet nach dem Gießener Rapper "Kid Soul" sucht, findet aktuell unter seinem Künstlereintrag noch diverse Plattenfirmen, über die er seine Musik herausbringt. Bald wird dort nur noch "Momentz Audio" stehen - das Label, das er nun selbst gegründet hat. Mit dem Anzeiger spricht der Rapper über seine aktuellen und zukünftigen Projekte - aber auch über seine Depressionen und wie ihm die Musik hilft, mit ihnen umzugehen.

           
Gemeinsam sitzen wir unweit des Elefantenklos mit dem Chlorgeruch des "Wasserfalls" in der Nase und dem Verkehr im Hintergrund im Ohr. Zu hören gibt es bald die neue Single von "Kid Soul" - "Gorilla" soll sie heißen. Es ist der erste Song, der unter seinem eigenen Label erscheint. Dass er dieses nun gegründet hat, darauf ist Marcel Schulz, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, merklich stolz. "Da steckt jede Menge Zeit und Geld drin", betont er. Doch dass das alles möglich ist und er von seinen Projekten erzählt, ist alles andere als selbstverständlich.             
         
Der Rapper hat viel erlebt, bevor er zur Musik gefunden hat. Und vor allem hat er seine Depressionen überlebt, mit denen er seit vielen Jahren kämpft. "Ich habe wirklich auf der Brücke gestanden", so der 28-Jährige. Doch da ist etwas gewesen, dass ihn davon abgehalten hat, sich das Leben zu nehmen.

"Ich habe an etwas geglaubt, wonach ich noch immer auf der Suche bin."

 Angefangen hat alles 2012, als sich "Kid Soul" und der Rapper "Bedoblack", der ebenfalls aus Gießen kommt, gefunden haben. Gemeinsam sind sie mit "Rap gegen Gewalt" an Schulen unterwegs und setzen sich unter anderem gegen Mobbing ein, womit Schulz während seiner Schulzeit selbst Erfahrungen machen musste. "Rap, in dem Schimpfwörter benutzt und Mütter beleidigt werden, gibt es schließlich schon genug", so Schulz. Jetzt, da er mit "Momentz Audio" auf seinen eigenen Beinen steht, möchte er "Bedoblack" etwas zurückgeben. "Ihm habe ich viel zu verdanken. Er hat mich hochgezogen", betont er. Dass er vor sieben Jahren zur Musik gefunden hat, hilft ihm bis heute, mit seiner Krankheit umzugehen - anders als die Therapeuten, von denen er sich unverstanden gefühlt hat.             
                      
"Ich kann meine Probleme auf ein Blatt schreiben und eine Nachricht an die Menschen da draußen schicken. Musik ist wie Therapie für mich", erzählt Schulz. Mit seinen Texten will er aber auch anderen helfen, die selbst mit Depressionen zu kämpfen haben oder das Leben anderweitig schwer gemacht bekommen. "Ich will, dass die Leute denken: Er hat recht, da ist noch Hoffnung", so der Rapper. Dazu gehört für ihn auch, sein Leben mit seinen Fans zu teilen. "Privat verschmelze ich, also Marcel Schulz und Kid Soul", erklärt er. So sei es für ihn selbstverständlich, jederzeit Autogramme zu geben und nun auch öffentlich über seine Depressionen zu sprechen, um einen ehrlichen Umgang zu etablieren und verstanden zu werden. Getan hat er das bereits kürzlich auf Facebook - woraufhin ihn viele Nachrichten von Fans erreichten. "Momentan geht es mir echt gut. Vielleicht nicht blendend, aber gut. Privat bin ich glücklich vergeben", versichert er.

Grund für den großen Schritt, ein eigenes Label zu gründen, war unter anderem, dass "Kid Soul" unabhängig bleiben will. "Wenn ich unter Vertrag stehen würde, dann würde mich das nur Stress und Nerven kosten", betont der 28-Jährige. Stattdessen kann er sich jetzt seine Zeit frei einteilen und musikalisch alles nach seinen Vorstellungen umsetzen. Auch die Vermarktung sei besser umzusetzen. "Zurzeit habe ich viel vor", so Schulz.

Die neuen Projekte sollen sich dabei von seiner bisherigen Musik unterscheiden, was auch daran liegt, dass er in seinem Studio in Buseck nun neues technisches Equipment hat. Seine neue Single "Gorilla" ist dabei nur der Anfang.  "Die wird dann auch bis nach Österreich gehen", so "Kid Soul". Dort wohnt in Wien mit "Freshmaker Music" einer der Produzenten des Gießener Rappers, der derzeit unter anderem mit "Kid Soul" zusammen an einem Projekt arbeitet. Wann dieses erscheinen wird, ist derzeit noch unklar.

Doch damit noch nicht genug: Momentan schreibt der Rapper bereits an einem Buch, in dem er seine Geschichte aufarbeiten will.

Bis dieses erscheint, werden sich seine jetzigen und zukünftigen Fans aber noch etwas gedulden müssen. Dass "Kid Soul" neue Songs herausbringen wird, ist aber sicher. "Seitdem ich Musik mache, fühle ich mich frei, wie ein Vogel", betont er. Überbrückt werden kann die Zeit, bis das Buch oder zumindest "Gorilla" erscheint, übrigens mit seiner aktuellen Single "Unsterblichkeit", die er gemeinsam mit "NELL" aufgenommen hat. "Ich fühle mich unsterblich, ich fliege davon" heißt es im Refrain.

Und wo jetzt alles neu ist bei "Kid Soul", mit eigenem Label und seinem Studio, will er auch den Song "Unsterblichkeit" in besserer Qualität nochmal neu rausbringen.